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Röntgeninstitut

 

 

 

Das Röntgeninstitut, das Albers-Schönberg-Institut für Strahlendiagnostik in Hamburg. Am 4. April 1936 ehrte die Deutsche Röntgengesellschaft Heinrich Albers-Schönberg mit einem Gedenkstein auf dem Gelände des Allgemeinen Krankenhauses St. Georg in Hamburg. Der Gedenkstein trägt die Namen von Ärzten, Physikern, Technikern, Laboranten und Krankenschwestern aus aller Welt, die bei der Arbeit mit den neuen Strahlen erkrankten und an der Strahleneinwirkung starben. 

 

Am 4. April 1936 ehrte die Deutsche Röntgengesellschaft Heinrich Albers-Schönberg mit einem Gedenkstein auf dem Gelände des Allgemeinen Krankenhauses St. Georg in Hamburg. Der Gedenkstein trägt die Namen von Ärzten, Physikern, Technikern, Laboranten und Krankenschwestern aus aller Welt, die bei der Arbeit mit den neuen Strahlen erkrankten und an der Strahleneinwirkung starben. Ganz oben auf der rechten Seite steht der Name von Heinrich Albers-Schönberg. Heinrich Albers-Schönberg wurde am 21. Januar 1865 in Hamburg geboren. Nach dem Studium arbeitete er zunächst am Neuen Allgemeinen Krankenhaus Hamburg-Eppendorf und an der Universitätsfrauenklinik in Leipzig. 1895 im November ließ er sich in Hamburg als praktischer Frauenarzt und Geburthelfer nieder. Im Februar 1897 gründete er zusammen mit Deycke das „Röntgeninstitut sowie Laboratorium für medizinisch hygienische Untersuchungen“ in Hamburg und gab ab September 1897 die neu gegründete Zeitschrift „Fortschritte auf dem Gebiet der Röntgenstrahlen“ heraus. Im Jahre 1900 begründete Albers-Schönberg die Atlantenreihe „Archiv und Atlas der Normalen und pathologischen Anatomie in typischen Röntgenbildern“ als Ergänzung zur Zeitschrift. Bis zu seinem Todesjahr erschienen 33 Atlanten. Albers-Schönberg fand mit Walter den Physikern und mit CHF Müller den Produzenten der Geräte der neuen medizinischen Disziplin. Ihre Möglichkeit nutzte er für die Diagnostik und die Therapie. So demonstrierte er 1898 vor dem Ärztlichen Verein in Hamburg die Behandlung der Hauttuberkulose mit Röntgenstrahlen. Bereits im Jahre 1898 warnte Albers-Schönberg zum ersten Mal vor einer schematischen Behandlung. Eine artifizielle Dermatitis sei unbedingt zu vermeiden. Anzumerken bleibt, dass im Jahre 1898 erstmals zwei Ärzte wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt wurden (GOCHT 1898). In beiden Fällen waren Röntgenbilder zur Diagnostik angefertigt worden. In der Folge waren schlecht heilende Dermatitiden aufgetreten. Im Frühjahr des Jahres 1903 veröffentlichte Albers-Schönberg sein erstes Lehrbuch für Ärzte und Studierende „Die Röntgentechnik“. Bis 1919 wurde es fünfmal aufgelegt und erschien auch auf Russisch und Italienisch.

Im Jahre 1903 wandte sich der Ärztliche Direktor des Krankenhauses St. Georg, in einem Brief an den Präses des Krankenhauskollegiums. Er beschrieb die Missstände der Röntgenabteilung des Krankenhauses, das Fehlen eines kompetenten Leiters führte zur Beschädigung der Spezialgeräte wegen unzureichender Einarbeitung der wechselnd in der Röntgenabteilung beschäftigten Assistenzärzte der Chirurgie. In schwierigen Fällen mussten die Patienten in das Röntgeninstitut von Albers-Schönberg überwiesen werden. Wegen dieser Missstände stellte sich Albers-Schönberg daraufhin als provisorischer Leiter der Röntgenabteilung zur Verfügung. Der Ärztliche Direktor schrieb wörtlich: „Dr. Albers-Schönberg erwartet von der Verbindung mit einem großen Krankenhaus mannigfache wissenschaftliche Anregung und beansprucht zunächst keine Vergütung“.

Im gleichen Jahr wurde aus Amerika bekannt, dass die Bestrahlung von Leukämiepatienten zu beachtlichen Behandlungserfolgen führte. Albers-Schönberg fragte sich in diesem Zusammenhang, ob die Wirkung der Röntgenstrahlen wirklich auf die Haut beschränkt blieb, nahm die Nachricht aus Amerika zum Anlass für Tierversuche. Er setzte in einem Nebenraum seines Untersuchungsraumes 5 Kaninchenböcke und 6 männliche Meerschweinchen in Käfige mit einem Boden aus Segeltuch. Die Tiere wurde von unten über zwölf Tage mehrfach bestrahlt. Körperlich blieben die Tiere unauffällig. Als man sie zum Weibchen gab, waren Geschlechtstrieb und Kopulationsfähigkeit nicht eingeschränkt,  sie  zeugten allerdings kein Junges bei uneingeschränkter Gebärfähigkeit der Weibchen. Als Ursache fand Albers-Schönberg einen Rückgang der Spermienzahl. Nicht klar war, ob die Zeugungsunfähigkeit vorübergehend oder von Dauer war. Die röntgenologische Öffentlichkeit reagierte sofort. Ein Bonner Arzt wollte das Ergebnis der Diskussion und von weiteren Tierexperimenten nicht abwarten und entschloss sich, zu dem „lohnendsten und aussichtsreichsten aller Tierversuche“ dem Versuch am Menschen überzugehen, mit der Hoffnung eventuell hierdurch ein „lang ersehntes soziales Heilmittel zu gewinnen in Form einer bequemen und schmerzlosen Sterilisierungsmethode“. Er bestrahlte die Hoden zweier Männer bis zum Eintritt einer Röntgendermatitis. Die Zahl, Form und Beweglichkeit der Spermien blieb unverändert. Informiert vom Experimentator kommentierte Albers-Schönberg das Experiment mit der Prognose, eine Aspermie und Hodenatrophie werde entstehen, was sich bestätigte.

Im Februar 1904 stellte Albers-Schönberg im Ärztlichen Verein zu Hamburg die Röntgenbilder eines Patienten mit Knochenveränderungen vor. Die Oberschenkel waren beiderseits gebrochen. Sie sahen aus wie eburnisiert, fast marmorartig. Die Veränderungen fanden sich an sämtlichen Knochen einschließlich der Wirbelsäule. Klinisch fiel die Brüchigkeit der Knochen auf. Diese Erkrankung ging als „Albers-Schönberg-Syndrom“ und gemäß seiner Beschreibung als „Marmorknochenkrankheit“ in der Literatur ein. Im gleichen Jahr gelang Albers-Schönberg die erste Darstellung eines Kindes in utero. Albers-Schönberg demonstrierte die Platten anlässlich des ersten Röntgenkongresses in Berlin, der diagnostische Nutzen dieser Aufnahmen blieb fragwürdig. Allerdings war es das erste Mal dass das Ungeborene dargestellt wurde. Für seine Platten mit den Röntgenaufnahmen wurde Albers-Schönberg bei der Weltausstellung in St. Louis mit zwei Goldmedaillen geehrt.

Zum ersten Januar 1905 wurde Albers-Schönberg als Spezialarzt für Röntgenverfahren am Krankenhaus fest angestellt. Neben der Patientenbetreuung engagierte er sich für den  Bau eines neuen Röntgeninstituts. Die Verantwortung für räumliche und instrumentelle Konzeption des Röntgeninstituts wurden ihm übertragen. Am 30. April 1905 reisten Albers-Schönberg und Walter als zwei von 512 Teilnehmern zur Eröffnung des ersten Deutschen Röntgenkongresses nach Berlin. Die Röntgenvereinigung zu Berlin hatte anlässlich des 10. Jahrestages der Entdeckung der Röntgenstrahlen eingeladen. In einem seiner beiden Vorträge demonstrierte Albers-Schönberg Röntgenbilder von Ägyptischen Mumien, der zweite Vortrag betraf die erfolgreiche Behandlung eines Sarkoms der Kopfhaut mit Röntgenstrahlen. In der begleitenden Ausstellung zeigte Albers-Schönberg zeigte Albers-Schönberg Aufnahmen von Nieren und Harnleitersteinen, den ägyptischen Mumien und einem Inkaschädel. Als Leiter des Röntgeninstituts stellte er stereoskopische Aufnahmen und eine Wassergekühlte Röntgenröhre der Firma CHF Müller aus, sie wies mit 101205 Sekunden Gesamtexpositionszeit die höchste bis dahin bekannte Lebensdauer einer Röntgenröhre auf. Nebenher nutzte er die Gelegenheit, die Anwendungsmöglichkeiten seiner Kompressionsblende zu demonstrieren.

Die von ihm herausgegebene Zeitschrift „Fortschritte auf dem Gebiet der Röntgenstrahlen“ und „Die Röntgentechnik“ waren Teil der Ausstellung in der Fachliteratur. Am ersten Mai wurde auf Antrag von Albers-Schönberg eine Kommission gewählt, deren Aufgabe es war eine einheitliche Nomenklatur zu erarbeiten. Als Mitglied vertrat Albers-Schönberg die Ansicht, dass der Name „Röntgen“ unbedingt in die Nomenklatur einzugehen habe. Schon am 2. Mai 1905 wurden die Vorschläge der Kommission dem Kongress mitgeteilt und von diesem einstimmig angenommen. Neben der Kongressveranstaltung hatten sich 9 namhafte Röntgenologen u.a. die drei Vorstandsmitglieder der Röntgenvereinigung zu Berlin, und aus Hamburg ihr korrespondierendes Mitglied Albers-Schönberg, Gocht und Walter in einer Sondersitzung die Gründung der „Deutschen Röntgengesellschaft“ beschlossen, die sie als Interessengemeinschaft, Forum und Ansprechpartner der Röntgenologen sahen. Der Kongress wurde am 3. Mai beendet. Seine Teilnehmer wurden zum Beitritt aufgefordert. Bereits 6 Monate später zählte die Gesellschaft 184 Mitglieder. Die wörtlich protokollierten Vorträge und Diskussionsbeiträge des Kongresses wurden von Albers-Schönberg redigiert und Begleitbuch unter dem Titel „Verhandlungen der Deutschen Röntgengesellschaft, Band 1“ herausgegeben. Insgesamt erschienen unter seiner Verantwortung bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges 10 Bände. Im Oktober des Jahres 1905 wählte die Geschäftsführung der Deutschen Röntgengesellschaft eine Statutenkommission, ein Mitglied war Albers-Schönberg; sie legte im November einen Satzungsentwurf vor, der mit einer Ergänzung angenommen wurde; er hatte bis 1923 Gültigkeit. 1906 wurde Albers-Schönberg zum korrespondierenden Mitglied der „American Roentgen-Ray Society“.1912 bis 1914 wurde nach seinen Plänen das neue Röntgenhaus im Krankenhaus St. Georg erstellt. 1914 wurde Albers-Schönberg zum Oberarzt (Abteilungsleiter) ernannt. Im gleichen Jahr wurde er zum Ehrenmitglied der New York Roentgen-Society ernannt und im Jahre 1916 veröffentlichte Albers-Schönberg einen „Röntgenatlas der Kriegsverletzungen“.

Im Jahre 1907 wurde Albers-Schönberg zum Professor ernannt, was sich als Schritt in Richtung auf die zugründende Universität Hamburg herausstellte: Als Walter, der mit Albers-Schönberg die Deutsche Röntgen-Gesellschaft gegründet hatte, wegen seiner Verdienste um die Entwicklung der Röntgendiagnostik und Strahlentherapie 1907 den Titel eines Professors erhielt, ergab sich ein Dilemma: Walter war Physiker und bei der Oberschulbehörde Hamburg angestellt, abgeleitet von dem Akademischen Gymnasium zu Hamburg, dem Johanneum, verlieh der Senat bei Eignung hier Tätigen den Titel eines Professors. Die Krankenhäuser und andere medizinischen Institute gehörten nicht zur Oberschulbehörde, sie wurden von ihr unabhängig verwaltet. Der Titel eines Professors wurde an ihre Mitarbeiter nicht verliehen mit der Folge, dass es unter den Medizinern keinen Professor gab. Walter als nicht Mediziner war Professor, Albers-Schönberg, der die Strahlen am Menschen anwandte, die treibende Kraft bei der Gründung der Deutschen Röntgen Gesellschaft war, Gründer und erster Herausgeber der Zeitschrift „Fortschritte auf dem Gebiet der Röntgenstrahlen“ war, und national wie international als Exponent der deutschen Radiologie wahrgenommen wurde, war nicht Professor. Es galt einen Sonderweg für ihn zu finden. Die Verleihung des Professorentitels an Albers-Schönberg wurde deshalb bei der königlich-preußischen Regierung in Anregung gebracht. Über seine Ernennung wurde im Hamburger Medizinalkollegium verhandelt und dabei die Frage der Titelverleihung an Ärzte neu diskutiert. Argument war, dass auf Kongressen und anderen internationalen Veranstaltungen die titellosen Hamburger und insbesondere die Ärzte benachteiligt waren, sie hatten einen schweren Stand. Um das medizinische Ansehen Hamburgs auch dem Ausland gegenüber anheben zu können, wurde von dem Medizinalkollegium beschlossen, beim Senat die Verleihung des Professorenranges auch an Krankenhausdirektoren und Ärzte zu beantragen, die sich als Lehrer oder Forscher in langjähriger Tätigkeit ausgezeichnet hatten. Unterstützt durch die Fürsprache des Medizinalkollegiums wurde Albers-Schönberg im Mai des Jahres 1907 vom königlich-preußischen Kulturministerium der Professorentitel verliehen. Albers-Schönberg war der erste Professor für Radiologie in der Welt. Hamburg schuf den ersten Lehrstuhl für Radiologie überhaupt.

Albers-Schönberg nahm den Ruf an, starb aber an der durch die Strahlen hervorgerufenen Erkrankung, ehe er der Besoldungsgruppe der ordentlichen Professoren übernommen war. Seine Witwe prozessierte mit der Hansestadt um die Rente: Wenn sie eine „ordentliche“ Witwe war, hatte sie Anspruch auf eine Pension, wenn sie eine „außerordentliche“ Witwe war, hatte sie keinen. Um ein Urteil und damit die gerichtliche Feststellung eines Präzedenzfalles zu vermeiden, erkannte der Senat ihr die Rente zu, auf dem Gnadenwege, zu einem Zeitpunkt, als die Inflation das Geld wertlos gemacht hatte. Die Witwe von Albers-Schönberg starb in Armut. Im Jahre 1919 wurde die Hamburgische Universität gegründet u.a. wurde auch ein Ordinariat für Röntgenologie geschaffen. Mit der Berufung wurde Albers-Schönberg zum ersten Lehrstuhlinhaber für die neue Disziplin in Deutschland. Am 28. April 1919 las er das erste röntgenologische Kolleg. Dieser Lehrstuhl wurde eingerichtet, um seine Verdienste anzuerkennen. Albers-Schönberg starb am 4. Juni 1921 im Alter von 56 Jahren an einer Pneumonie geschwächt durch eine strahleninduzierte Krebserkrankung. Heinrich Albers-Schönberg wehrte sich dagegen als Opfer der Wissenschaft dargestellt zu werden. Seinem Sohn sagte er: „Ich habe nicht wissentlich meine Gesundheit geopfert, sonder das Unglück gehabt, sie unwissentlich zu schädigen.“ 1934 wurde von der Deutschen Röntgengesellschaft die Albers-Schönberg-Medaille gestiftet.

Die Arbeiten von Albers-Schönberg waren und sind Anregung für viele. In dem von ihm gegründeten Institut und nach ihm benannten „Albers-Schönberg-Institut für Strahlendiagnostik“, der Röntgenabteilung des Allgemeinen Krankenhauses St. Georg in Hamburg, setzen Arbeiten zur Röntgenbefunden bei Opfern von Krieg und Folter seinen Atlas fort. Seine Arbeiten zu Strahlenschäden und zum Strahlenschutz werden fortgeführt, seine Demonstrationen für die Medizinische und Nicht-medizinische Öffentlichkeit sind Ausgangspunkt für Kurse und Ausstellungen. Seine Arbeiten zu “Röntgenbefunde physiologische und pathologischer Zustände“ waren Auslöser zur einer systematischen Analyse und Darstellung der „Postoperativen Röntgenmorphologie“. Das Gedenken an Albers-Schönberg ist weltweit lebendig, so werden am Gedenkstein im Krankenhaus St. Georg  die Pioniere der Radiologie geehrt, meist von ihren Nachfahren. Der letzte Besuch kam aus Japan, die letzten Anfragen kamen von Historikern aus Russland und Tschechien.

Der Nachfolger von Albers-Schönberg als Institutsleiter war sein Schüler Hermann Holthusen.

Seit 1998 wird das Albers-Schönberg-Institut von mir, Hermann Vogel, geleitet.

Heute wird im Albers-Schönberg-Institut Bildgebende Diagnostik der Spitzenqualität 24 Stunden pro Tag 7 Tage pro Woche vorgehalten.

 

 

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